Long way to Reality

Ich befinde mich in einem Alter wo um mich herum einfach jede Freundin schwanger ist. Je enger die Freundschaft ist, desto länger ist der Weg der Schwangerschaft den man mit ihr geht.

Was keine von ihnen in der Zeit so richtig bemerkt hat ist, dass ich selber auch mein kleines Baby mit mir umhergetragen habe. Zwölf Monate habe ich es vor allem und jedem beschützt. Ich habe für sein entstehen und bestehen gekämpft. Es wurde sich über Namen gestritten und in welchem Ort dieser Welt es das erste Mal das Licht der Welt erblicken sollte.

Und so wie ich für meine Freundin, war zum glück auch ich nicht alleine auf dieser Reise. Denn zwölf Monate können verdammt lang sein und alleine bekommt man so ein perfektes Geschenk einfach nicht.

So dreiviertel haben jetzt wahrscheinlich schon aufgehört zu lesen und der andere Teil fragt sich:“ Was zur Hölle will die Knoefel uns sagen?“

Es war genau vor einem Jahr, im November 2016. Wir haben immer wieder im Umfeld gehört:“ VR das bedeutet jetzt wirklich das Ende von Kino. Wenn es schon Netflix und Co. nicht schaffen, dann aber VR. Der Zuckerberg macht das ja auch schon, dann ja wirklich dann, also dann aber wirklich.“

Ich halte nicht viel von Endgegnern. Vor allem nicht beim Kino. Kino ist das meist totgesagte Medium der Welt. So oft wie Kino schon sterben sollte, hat es bald einen eigenen Feiertag verdient.

Kino wird nicht sterben. Kino umarmt seine „Endgegner“ und guckt was mit ihnen passiert. Also haben wir den Endgegner umarmt und im November 2016 einen Workshop zum Thema VR mit Future Candy gemacht.

Am Ende eines langen Tages sahen wir mit unserer Oberlippe alle aus wie Donald Duck und hatten gefühlte 100 Brillen auf der Nase gehabt. Nach einem wirklich guten Workshop und ganz grandiosen Ideen war uns eines klar. Wir müssen nicht ins Foyer eines Kinos, sondern in den Saal.

Das war die erste richtige Leuchtturm Entscheidung in diesem Projekt und sie stellte sich schnell als goldrichtig raus. Nach und nach gingen viele Kinobetreiber mit VR in das Foyer, aber im Saal war immer noch keiner.

Gut wir hatten uns das Brett selber vor die Brust gebunden, also mussten wir eine Lösung finden. Wie und vor allem WARUM sollten wir in den Kinosaal gehen?

Solch ein Konzept entwickelt man nicht alleine, also haben wir uns als erstes einen Menschen mit Dr. an Bord geholt. Dr. Jan Fleck von Future Candy hat unser kleines Team perfekt gemacht.

Gemeinsam wurde uns (der Ordnung halber, das uns ist auf unserer Seite immer Frank Senger, Julian Mohr und Nicole Sassenscheid) schnell klar unser USP liegt direkt auf unseren Ohren. Keiner kann Sound so wie Kino und so kam Julian schnell die Idee eines eigenen Formates. Des CMV = Composition of Music and Visuals. Juhu das Kind hatte einen Namen.

Jetzt mussten wir nur noch Mitstreiter gewinnen. Die erste Runde bei den beiden Kinoköpfen lief gut und somit mussten wir beweisen das unsere Idee auch Lebensfähig ist. Das nennt man ja so schön Proof of Concept. Gesagt getan. Oder warte dafür brauchen wir Content. Den haben wir im Netz gefunden, ja aber unser USP der Klang?

Den Fand Julian dann auch und zwar in Form von Jonas und Adrian. Sonnenschein und Musikfreak. Die beiden sind wirklich ein Gewinn. Sie haben sofort verstanden was wir haben wollten und wir alle waren gleich auf einer Wellenlänge.

Im Juni haben wir dann im Kino getestet und was sollen wir sagen, es lief wesentlich besser als wir erwartet haben. Die Menschen waren begeistert und wollten dafür auch noch Geld zahlen.

Das überzeugte auch noch den letzten Kritiker und wir gingen an den Start. Uns war bewusst es sollte einen Big Buzz mit Presse und Influencern geben und dann drei Monate getestet werden.

Das richtige Kino dafür war auch schnell gefunden. Der Zoo Palast in Berlin. Das Premieren Kino, das Bären Kino, das aus meiner Sicht schönste Kino Deutschlands. Wie sich später auch noch rausstellen sollte mit dem tollsten Team der Erde. Selten in meinem Leben von Menschen so viel Support für ein Projekt bekommen.

Jetzt hatten wir knappe drei Monate Zeit. Das Datum 16 November war schnell gefunden. Wie ein Mantra sagten wir uns immer wieder:“ Auf jeden Fall vor Star Wars.“

Der Content musste produziert werden und der richtige Partner hierfür gefunden werden. Schnell wurde klar, wenn der Ton aus Hamburg kommt, dann sitzt wohl unser Team für den Content in Berlin. VR Base hatte die richtigen Kontakte, die richtige Idee und vor allem den Mut zu sagen:“ Wir schaffen das in der kurzen Zeit für eurer Budget.“

Das Team brannte und wir haben wirklich drei Monate unser Herzblut in das Projekt geschüttet. Nach Hochphase und riesen Freude, wie zum Beispiel als Samsung sich entschlossen hat bei uns einzusteigen und uns 150 Brillen, plus Smartphones zur Verfügung zu stellen.
Kamen auch immer wieder Downer.

Aber den Downer Killer hatten wir in unserem eigenen Team. Sein Name ist Julian Pinn. Für ihn gibt es einfach kein Nein, für ihn gibt es nur ein ich finde eine Lösung. Julian war meine laufende Flasche Rescue Tropfen und wenn der andere Julian und ich wieder komplett am Verzweifeln waren, hat Julian Pinn uns wieder gerettet.

Übrigens bei der Suche nach dem richtigen Namen haben wir einen sehr schönen Zufall entdeckt. Unsere drei männlichen Projektköpfe haben eines gemeinsam: Alle drei heißen mit zweitem Namen Philipp und ihr erster Name beginnt mit einem J. Also hatten wir fast den tollen Namen J.P Übermorgen für uns. Noch liegt er erst einmal auf Eis, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Ja und dann war er da. Der 16 November. Zu vor waren wir schon drei Tage in Berlin und haben getestet was das Zeug hält.
Als wir am Dienstag das erst mal mit dem Sound des Zoo Palastes getestet haben, da war ich mehr als Dankbar für das Polster an der VR Brille. Die eine oder andere Freudenträne suchte sich hier schon den Weg aus seinem Bassin.

Wie fühlt man sich an dem Tag wo du 12 Minuten hast die darüber entscheiden können ob die letzten 12 Monate sich auszahlen oder ob sie für die Tonne sind?

Ich muss sagen je mehr Menschen kamen desto aufgeregter wurde ich und als dann noch Herr Flebbe, für mich der Meister des Kinos, der Mann dem wir diese wunderschönen und perfekten Kinos zu verdanken haben, den Saal betrat wusste ich nicht mehr wohin mit mir.

Doch das metallene Ding in meiner Hand holte mich ins hier und jetzt zurück. Ab auf die Bühne. Franzi jetzt oder nie.

Julian und ich begrüßten die 80 Menschen die den Weg zu uns ins Kino gefunden haben und in meinem Kopf sang die ganze Zeit Max Giesinger:“ Da wo ich herkomme wohnen 1000 Menschen, im Ort daneben schon dreimal so viel, 300 000 in der nächsten Großstadt und bald vier Millionen in Berlin, und bitte bitte lass es ihnen gefallen!“

Nach kurzer technischer Einführung von Dr. Jan Fleck setzten alle ihre Brille auf und drei, zwei eins alle Brillen liefen und der Bass erdröhnte im Zoo Palast Berlin.

In diesem Moment gab es zwei wundervolle Anblicke:
Der Erste: Mein Team. Alle stromerten durch den Raum. Versuchten irgendeine Regung in den noch übriggebliebenen Gesichtsparts der Gäste zu lesen. Aber das Glänzen in den Augen aller war zu sehen. Gott waren wir alle stolz und das konnten wir auch zu recht sein.

Der zweite: Die Menschen. Ein Teil hielt Händchen, ein anderer drehte sich von links nach rechts und wieder ein anderer saugte einfach nur auf.

Und dann waren sie um. DIE 12 Minuten. Die 12 Minuten von TripinReality. Unser Baby war geboren und fing an das Licht der Welt zu erblicken.

Beifall. Viele Fragen und alle auf die Bühne verbeugen. Fertig. Wir haben es wirklich geschafft und das größte: Es hat gefallen.

10 Tonnen vielen von den Schultern und was blieb war ein wenig Wehmut. Für nur ganz kurz denn als der Gedanke einsank in den Kopf, dass es gefallen hat, da wurde uns bewusst: Jetzt müssen wir weitermachen. Unser Baby muss beworben werden. Jetzt müssen wir auf unser Baby aufmerksam machen. Wir brauchen Sichtbarkeit.

Stopp! Jetzt muss erst einmal für eine Nacht gefeiert werden. Jetzt muss das Team einmal sich in den Armen liegen. Jetzt muss einmal verarbeitet werden was geleistet wurde.

Und das taten wir dann auch. Dr. Jan Fleck von Future Candy ohne den es nie zum Finale gekommen wäre, denn wenn einer die Ruhe weg hatte dann er. Julian Pinn, Mister geht nicht gibt es nicht. Jonas und Adrian von SNG die die Komposition ihres Lebens uns gegeben haben und noch viel mehr Herzblut. Sara von VR Base mit Ruut der den schönsten Content kreiert hat. Everbit die alle Samsung Brillen gleichzeitig gestartet haben. Robin König von Nqyer der unsere Hütte vollgemacht hat. Nicole Sassenscheid die unsere Seele des Events war und die alles zusammen gehalten hat. Frank Senger der tollste Chef der Erde, der mich hat über mich hinauswachsen lassen. Und Julian Mohr Mister Dickkopf der Herr und Meister des CMV.

 

Was für eine Reise und jetzt geht sie noch weiter. Es gibt noch so viele Menschen diesen wir auf diesem Weg danken müssen. Dem Zoo Palast und Markus Raab. Björn und Till für unseren Case Film. Markus Hensseler für ein geniales Plakat und Arian für einen super Pressetext. Ich habe bestimmt noch mehr vergessen, aber ich denke an euch alle.

Weiter geht es. TripinReality hat erst angefangen.

 

 

 

 

 

Jetzt schreibt sie auch noch

Moin, ich bin Franzi Knoefel (aka Trüffelschwein der Weischer.Media).

Meine Laufbahn bei Weischer begann als befristeter Junior Art Director am 15.06.2011 und steht heute am 21.12.2016 bei Product Manager Innovation & Product. Hinterfragt nicht, warum ich zweimal im Titel Product habe. Ich denke doppelt hält einfach besser.

Auf meinem beruflichen Weg bei Weischer habe ich mir sehr oft diese Fragen gestellt: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? (nach Immanuel Kant)
Stand heute:
Wenn ich will, kann ich alles wissen. (Danke liebes Internet) Aber hilft mir das?
Was ich tun soll, kann am Ende des Tages nur ich mir selber beantworten.
Und meine Hoffnungen werden genauso oft erfüllt, wie sie auch wieder zerplatzen.

Mir hat keiner gesagt, dass ich dieses hier tun soll, ich meine jetzt auch noch schreiben. Ich habe es einfach gemacht. Aus dem einfachen Grund, weil ich auch immer alles wissen will. Mich interessiert, was meine Kollegen tun und womit sie sich tagtäglich beschäftigen.
Da ich in diesem Jahr Reisen machen durfte, von denen ich nicht in meinen kühnsten Träumen gehofft habe, dass sie wahr werden, wollte ich alle meine Kollegen teilhaben lassen.

Mir stand hierzu nur immer eines im Weg: Aufgrund meiner Kindheit und einem Sehfehler, den ich habe, ist meine Rechtschreibung, ich sage einmal ausbaufähig.
Ein Grund nicht zu schreiben, aber kein Hindernis.
Darum habe ich vor jeden Artikel, den ich geschrieben habe, diesen Satz gestellt:
ACHTUNG WICHTIGER GEBRAUCHSHINWEIS: DIE FOLGENDEN ZEILEN SIND WIEDER EINMAL NICHT GENAU UND AUCH DIE RICHTIGKEIT LÄSST ZU WÜNSCHEN ÜBRIG. ABER ICH HABE ES MIT VIEL HERZBLUT FÜR EUCH GESCHRIEBEN!

Daher der Name meines Blogs. „Herzblut“

Ich beschreibe euch mit viel Herzblut, was ich den ganzen Tag so tue. Ich hoffe, dass es einige von euch wissen wollen und ich hoffe von Herzen, dass es euch gefällt.
Damit ihr ab dem heutigen Tag alle etwas davon habt und keiner von euch in niemals endenden Email-Verteilern verloren geht, werde ich ab jetzt in unregelmäßigen Abständen hier von meiner Arbeit berichten und dem, was mir an innovativen, skurrilen, lehrreichen und interessanten Dingen passiert, berichten.

Wenn ihr Fragen habt oder Wünsche worüber ihr mehr erfahren wollt, schreibt mir.
Ich freue mich auf die gemeinsame Zeit mit euch und verspreche euch, bei allem was ich tue, eine riesige Portion Herzblut zu investieren.

Bis dahin Ahoi

Franzi